Diamantenrausch
Freitag, 13. Februar 2009Mitte des 18. Jahrhunderts löste Brasilien, damals portugiesische Kolonie, Indien als Diamantenproduzent ab. Fast 150 Jahre lang sollte es den Diamantenmarkt beherrschen bis seine Minen fast erschöpft waren. Ende des 19. Jahrhunderts führte ein unglaublicher Zufall dazu, dass im Süden Afrikas am Oranje-Fluss Diamanten gefunden wurden. Ein Farmer entdeckte 1866 unter den Spielsteinen von Kindern einen auffällig glitzernden Stein, der sich später als lupenreiner Diamant von fast 22 Karat entpuppte. Doch erst durch den zufälligen Fund eines zweiten, noch größeren Diamanten, brach das Diamantenfieber in Südafrika aus. Der berühmte “Star of South Africa”, wie man diesen Stein später nannte, ist heute Teil des britischen Kronschatzes. Die Buren, die damals im Tal des Oranje siedelten, blieben von dem einsetzenden Diamantenrausch unbeeindruckt. Einer von ihnen war Johann de Beers, er verkaufte sein Land an einen Agenten für die unglaubliche Summe von 6.000 Pfund (heute wären das rund eine halbe Millionen Euro). Fünf Jahre zuvor hatte er das karge Land für nur 60 Pfund gekauft. Das weitere Schicksal von De Beers ist unbekannt, doch sein Name sollte in der Welt der Diamanten Geschichte schreiben.
Der Diamantenrausch schwemmte Glücksritter aus aller Welt in den Süden Afrikas – darunter zwei Engländer, die gegensätzlicher nicht sein konnten: Cecil Rhodes und Barney Barnato. Ihre abenteuerliche Geschichte um Reichtum, Macht und Einfluss sollte die Entwicklung des Diamantengeschäftes weltweit nachhaltig prägen - bis in unsere Gegenwart.
Cecil Rhodes und Barney Barnato
Kaum begonnen schien schon 1875 das Ende des Diamantenbooms in Südafrika gekommen. Nachdem die Förderung der Edelsteine im weichen “yellow ground”, wie man die oberste tonige Gesteinsschicht nannte, sich erschöpft hatte, stieß man nur noch auf das darunter liegende harte Granitgestein (blue ground), das mit reiner Muskelkraft nicht mehr aufzubrechen war. Die Anschaffung von Maschinen war für die einzelnen Diamanten-”Digger” nicht zu finanzieren. Viele, die keine Diamanten mehr finden konnten, meinten sogar, ihre Minen seien erschöpft. Die Grundstückspreise fielen ins Bodenlose. Dies sollte zur großen Stunde für die Engländer Cecil Rhodes und Barney Barnato werden. Barnato, Sohn eines Londoner Lumpenhändlers und Kleindarsteller, war 1873 angesteckt vom Diamantenboom nach Südafrika gekommen. Völlig mittellos gelang es ihm jedoch, sich in kürzester Zeit als Zwischenhändler im Diamantengeschäft zu etablieren, und sehr schnell zu viel Geld zu kommen. Cecil Rhodes, der Sohn eines englischen Vikars, wollte eigentlich nur seine Lungenentzündung in Südafrika auskurieren. Aber auch ihn packte der Diamantenrausch. Durch den Verkauf von Trinkwasser und den Verleih von mechanischen Pumpen an den Diamantenminen, kam auch er sehr schnell zu Reichtum. Doch anders als Barnato verfolgte Rhodes über den wirtschaftlichen Erfolg hinaus, ein politisches Ziel: Als glühender englischer Patriot wollte er die Bestrebungen Englands nach imperialer Vorherrschaft im Süden Afrikas mit vorantreiben. Sein Plan war, die gesamte Diamantenförderung und damit das ganze Land unter englische Kontrolle zu bringen.
Als der Diamantenboom nun 1875 abzuflauen begann, standen sich die beiden Konkurrenten nun gegenüber. Beide wussten durch geologischen Gutachten, die sie erstellen hatten lassen, dass der eigentliche Diamantenreichtum erst in den größeren Tiefen des Granitgesteins lag und beide kauften sie nun - für Außenstehende scheinbar ohne Sinn und Verstand - den Diamantenschürfern ihre scheinbar wertlosen “claims” ab. Dabei investierten beide ihr ganzes Vermögen.
Das Diamantenmonopol von De Beers
Nun begannen die beiden mit der Diamantenförderung im großen Stil und gruben sich mit tiefen Schächten in den “blue ground”. Ihre Gutachten sollten Recht behalten: hier lagerten die meisten Diamanten. In kürzester Zeit gehörten die beiden Konkurrenten zu den reichsten Geschäftsmännern in Südafrika. 1880 gründete Cecil Rhodes die Gesellschaft “De-Beers-Mining-Company”. Barney Barnato folgte 1881 mit der “Kimberley Central Diamond Mining Company”. Rhodes, dessen eigentliches Ziel es war, das Diamantenmonopol in Südafrika für sich und für das britische Empire in die Hand zu bekommen, unternahm immer wieder Versuche, Barnatos Minengesellschaft zu übernehmen, scheiterte jedoch immer wieder. Erst 1888 gelang es Rhodes endlich, seinen schärfsten Konkurrenten zu überreden, dessen Diamantengesellschaft mit seiner zu fusionieren. Somit hatte der politisch ehrgeizige Engländer, der später sogar Premierminister der Kapkolonie werden sollte, sein Ziel erreicht: Die Kontrolle über die Diamantenförderung im Süden Afrikas lag nun in der Hand der “De-Beers-Mining-Company”.
Um 1890 errichtet Rhodes ein Diamantsyndikat, um weltweit die Diamantpreise kontrollieren und steuern zu können. Das Syndikat tätigte über die eigene Verkaufsgesellschaft “Central Selling Organisation” in London seine Diamantenverkäufe – daran hat sich bis heute nichts geändert.
Mit der Fusion der beiden Minengesellschaften und der Gründung des Diamantsyndikats war der Grundstein für das De-Beers-Imperium gelegt, das bis heute eine Monopolstellung im weltweiten Diamantenhandel einnimmt und weitgehend den Weltmarkt kontrolliert.
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