Martin Gerhard Reisenberg
Donnerstag, 30. April 2009Am Stein der Weisen bemühten sich schon viele Bildhauer vergeblich.
Am Stein der Weisen bemühten sich schon viele Bildhauer vergeblich.
Der Steinflüster auf der suche nach dem Stein der Weisen 1
Aphoristiker haben sich selbst dazu verurteilt, im gewaltigen Steinbruch der Literatur die kleinsten Steine aus dem Felsen zu schlagen. Hier halten sie sich auf, hier haben sie ihr bescheidenes Lager aufgeschlagen, hier zwingen sie dem kleinsten Gestein die Gestalt ihrer brachialen Gedanken und Gefühle auf. Sie selbst sind sich ihrer Schuld bewusst, die mächtigen Denkschablonen des Kollektivs verletzt zu haben, man kann sagen, sie haben sich selbst dazu verdammt, ihre eigene Welt und Wirklichkeit mühsam in die gigantischen Felsformationen der Literatur zu meißeln.
Aprilwind
Ich will nicht
nach deiner Pfeife tanzen
Aprilwind
Ich möchte wecken
die Maitöne
in meiner Flöte
die schnitzte ein
Hirt in Humora
in der Baumzeit
lang vor der Stacheldrahtzeit
aus dem Steingewicht
winde ich mich
übe prüfend
den Maischritt
den Flug
Unter bemoostem Stein
die Flöte begraben
wirf den Stein um
Aprilwind
Härter der Flötenton
heute
Tanz nach meiner Pfeife
Aprilwind
komm mit mir
zur Maimutter
vielleicht weckt sie
den sanfteren Ton
in der Flöte
Rose Ausländer
in “Hinter allen Worten. Gedichte 1980-1981″