Archiv für Oktober 2009

Arthur Koetz

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Der Stein und die Libelle

(Moralische Gasele)

In einem Weiher klar und rein
Lag auf dem Grund ein dicker Stein.
Er blickte mißvergnügt empor
Und seufzte: Warum darf nicht sein,
Daß ich einmal aus meiner Tiefe
Auftauchen kann zum Spiegelschein
Der Oberfläche über mir?
Ist keiner, der mich kann befrein?
Dort oben schimmerts bunt und licht,
Ich aber liege tief, verlassen und allein.
Zur gleichen Zeit, mittags um zwein,
Schwirrt überm Teich im Sonnenschein
Eine Libelle blau und leicht
Und sieht tief unter sich den Stein.
Ach, seufzt sie, als sie ihn erspäht,
Wie oberflächlich muß ich sein,
Nie kann ich ruhn in seiner Tiefe,
Nie kann ich sein mit mir allein,
Könnt ich hinuntertauchen doch,
O, wär es mir vergönnt, der dicke Stein zu sein!

Und die Moral? Wie ihr wohl wißt:
Das Glück ist dort, wo du nicht bist.
Drum ists auch Glück, sich zu bescheiden,
Schon weil die Andern dich beneiden.

Arthur Koetz

August Strindberg

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Die Menschen hegen eine instinktive Abscheu vor dem Erfolg anderer, sie finden es ungerecht vom Schicksal, den einen zu begünstigen, und versuchen deshalb, das Gleichgewicht wiederherzustellen, indem sie ihm Steine in den Weg rollen.
August Strindberg, (1849 - 1912), schwedischer Dramatiker und Maler

Heinz Erhardt

Dienstag, 20. Oktober 2009

Der Stein
Fast wär vom Dach ein Ziegelstein
mir auf den Kopf geflogen,
jedoch “es hat nicht sollen sein”:
er machte einen Bogen.

Daß er das tat, ja, das war gut !
Doch hat der Fall bewiesen:
man sei beständig auf der Hut
und geh nie ohne diesen !

Herbsttag auf dem Parkplatz

Montag, 19. Oktober 2009

Gestern bin ich bei der Suche eines Platzes für die Goldsteine auf einem Parkplatz hängen geblieben. Platt gefahren. Ein paar Ölflecken. So wie es tausende Parkplätze eben gibt.Irgendwo müssen die Autos ja ruhen. Nichts Besonderes.
Im Laufe der Zeit sind durch die Autos ein paar Mulden und Löcher im den Boden entstanden. Auch nicht aussergewöhnlich. Durch den Regen haben sich einige Pfützen gebildet. Völlig normal. Es ist Herbst, die Bäume schmeissen ihre Blätter ab. Das weiss jeder. Naturgesetz. Zufällig sind in den letzten Tagen ein paar Blätter in die Pfützen geweht. Kommt immer wieder vor. Autos darüber gefahren. Ist auf einem Parkplatz völlig üblich.
Das Wetter war wechselhaft. Die Lichtverhältnisse änderten sich ständig. Also warum nicht.
So entstanden diese Bilder. Ein Moment im Leben eines Parkplatzes. Ein Moment in meinem Leben. So wird es ihn auch nie wieder geben. Es wird immer anders sein. Es gibt keine Wiederholung. Ähnlichkeiten vielleicht. Doch jeder Augenblick ist einzigartig. Das weiss eigentlich auch jeder. Ich vergesse es trotzdem manchmal.
Aber was will ich eigentlich damit sagen.? Auch spielen auf einem Parkplatz kann was haben? Jeder Ort hat seinen Reiz? Man kann überall etwas finden? Ist alles eine Sache des Lichtes.? Selbst auf einen schmuddeligen Parkplatz kann man seine Ruhe und Frieden finden.?
Bei mir hat der Moment einen Gedankenfluss zum Fliessen gebracht.
Jetzt am nächsten Morgen möchte ich mich einfach für diesen kleinen Moment bedanken.