Zwischen unserem Leben und den Steinen sind im Laufe der Zeit unendlich viele Verbindungslinien, viele Wege und Wechselbeziehungen entstanden, spiegeln sich so viele Erfahrungen und Empfindungen wider, dass eine Begegnung mit den Steinen einer menschlichen Begegnung sehr nahe kommen kann. So können z. B. den Steinen zugeordnete geologische Vorgänge wie Heben, Senken, Falten, Drücken, Pressen, Ablagern, Versteinern, Versanden, Verschieben, Ausspülen, Aus- und Abbrechen oder Abschleifen den bildhaften und erlebten Hintergrund für viele zwischenmenschliche Verhaltensweisen darstellen. In der Formen- und Farbenvielfalt sowie in der Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der einzelnen Steine ist eine Unzahl menschlicher Erfahrungs- und Stimmungsaspekte gespeichert, in versteinerter Form „festgehalten“ - gleichnishaft, bildhaft und stets bereit, abgerufen, durchdacht, zur Auseinandersetzung herangezogen und neu gelebt oder erlebt zu werden.
Auch in der kosmischen Geschichte sind die Steine die letzten sichtbaren Pfeiler einer gigantischen Brücke, die sich über Raum und Zeit bis zu den entferntesten Milchstraßensystemen spannt. Wir brauchen gar nicht zu den Sternen zu greifen, die Steine selbst sind kostbare Sternensplitter, Spuren geborstener Sterne, aus denen sich Planeten und menschliches Leben entwickeln konnten. Steine sind gewissermaßen die ältesten Bewohner, der Untergrund unserer Welt, sie sind die ältesten Erinnerungsreserven der uralten Geschichte unseres Planeten. Und selbst wenn wir von der Größe des Universums bis in die mikroskopischen Tiefen unseres Körpers hinabsteigen und uns mit der Geschichte unseres eigenen Körpers beschäftigen, stoßen wir auf Steine, auf die „Bausteine des Lebens“.
Auch unsere sprachliche Ausdrucksweise ist mit den Steinen eng verknüpft. Steine helfen dem Menschen, bestimmte Tiere, Pflanzen und Gegenstände näher zu kennzeichnen: Steinadler, Steinbock, Steineiche, Steinkraut, Steingut, Steinsalz … usw. Wir sprechen vom „Stein des Anstoßes“, wir sind erfreut, wenn wir bei einem Menschen einen „Stein im Brett“ haben. Wir reden vom „Tropfen auf den heißen Stein“, bringen „Steine ins Rollen“ und werfen selbst dann noch mit Steinen, wenn wir im Glashaus sitzen. Wir lassen unsere Mitmenschen gerne auf „Granit beißen“, zeigen oft einen „versteinerten Gesichtsausdruck“: werden selten „steinreich“ oder „steinalt“. Selbst „hart wie ein Stein“ können wir manchmal sein oder weinen zum „Steinerweichen“. Viele Menschen machen sich auf, den „Stein der Weisen“ zu finden. Wenn einer sie dabei stört, könnte er Gefahr laufen, „gesteinigt“ zu werden. Unzählige solcher Redewendungen ließen sich noch aufzählen, in denen Steine eine Rolle spielen.