STEINzeitliches von mARTina Jäger
STEINzeitliches
berührt viele meiner gedanklichen Sichtweisen
Steine sind unsere Wegbegleiter von der Wiege der Menschheit an.
Was Steine vermögen:
- Steine schützen unseren individuellen Lebensraum (von der Höhle bis zum Hochhaus)
- Der Stein ist eines der ersten Werkzeuge.
- Er ist Metapher für Bestand, Sicherheit, Anpassung, Tugend, Weisheiten, Erkenntnis, Allgegenwärtigkeit, Stärke oder Sehnsucht
- Steinzeitlich sind aber auch viele unserer Gedanken und Gefühle, die sich bewahrt haben.
aber zugleich auch das Wechselspiel aufzeigen
zwischen Vermögen und Unvermögen der menschlichen Art.
Der Stein erlebt und ist Geschichte
menschliche,
im Bezug zur Geschichte der Erde
und dem Universum.
Über meine steinzeitlichen Schiefersteine aus dem Projekt „stoneAGE“:
Auf den Höhlenwänden hat der Mensch seine Gedanken in Bildern und Figuren Ausdruck gegeben
bereits vor etwa 30 000 tausend Jahren.
In einem Zeitraum von etwa 25 000 Jahren haben weltweit
Menschen uns ihre
Bedürfnisse, Ethik, Persönlichkeit, Lebensweisen, Alltägliches und Wünsche hinterlassen.
Abstrakte Strichzeichnungen bis hin zu sehr realistischen Werken finden sich weltweit.
Mit Pigmenten aus Steinen und Pflanzen,
mit Hilfe von Holzstäbchen, Fingern oder „Malkreiden“
und unter Verwendung von verschiedenen Bindemittel
sind sehr beeindruckende Werke entstanden.
Für mich ein Beginn der schriftlichen Kommunikation und der künstlerischen Kreativität.
Auch wenn der Mensch der Steinzeit gegangen ist…
geblieben ist das Bild, das immer unsere Fantasie anregen wird:
- Was hat dieser Steinzeitmensch mit seinem Bilde sagen wollen?
- Diente es dem Moment oder verfolgte der Mensch einen Plan?
- Wusste er von der Zeit, in der sein Werk der Nachwelt Rätsel aufgibt?
- Diente das Bild einem ethischen, begehrenden, alltäglichen oder freudvollen Aspekt?
Diese Fragen werden sicherlich ungelöst bleiben und erhöhen somit den Reiz
der geheimnisvollen, archaischen Höhlenmalerei.
Inspiration habe ich gefunden in allen Höhlenmalereien der Erde
Aufgefallen ist mir
das Gleichsinnige, aber auch die Unterschiede
der Kulturen als auch der Maler in ein und derselben Höhle.
Steine sind ein Vermögen,
weil sie unsere Fantasie und die Geschichte in und auf sich tragen.
Meine heir abgebildeten Schiefersteine und andere Arbeiten aus dem “stoneAGE”
beziehen sich auf meine gesammelten, hier beschriebenen Erfahrungen.
Ich arbeite größtenteils mit Pigmenten auf Steinen (hier Schiefer) und anderen Malgründen.




26. November 2009 um 09:34
Zwischen unserem Leben und den Steinen sind im Laufe der Zeit unendlich viele Verbindungslinien, viele Wege und Wechselbeziehungen entstanden, spiegeln sich so viele Erfahrungen und Empfindungen wider, dass eine Begegnung mit den Steinen einer menschlichen Begegnung sehr nahe kommen kann. So können z. B. den Steinen zugeordnete geologische Vorgänge wie Heben, Senken, Falten, Drücken, Pressen, Ablagern, Versteinern, Versanden, Verschieben, Ausspülen, Aus- und Abbrechen oder Abschleifen den bildhaften und erlebten Hintergrund für viele zwischenmenschliche Verhaltensweisen darstellen. In der Formen- und Farbenvielfalt sowie in der Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der einzelnen Steine ist eine Unzahl menschlicher Erfahrungs- und Stimmungsaspekte gespeichert, in versteinerter Form „festgehalten“ - gleichnishaft, bildhaft und stets bereit, abgerufen, durchdacht, zur Auseinandersetzung herangezogen und neu gelebt oder erlebt zu werden.
Auch in der kosmischen Geschichte sind die Steine die letzten sichtbaren Pfeiler einer gigantischen Brücke, die sich über Raum und Zeit bis zu den entferntesten Milchstraßensystemen spannt. Wir brauchen gar nicht zu den Sternen zu greifen, die Steine selbst sind kostbare Sternensplitter, Spuren geborstener Sterne, aus denen sich Planeten und menschliches Leben entwickeln konnten. Steine sind gewissermaßen die ältesten Bewohner, der Untergrund unserer Welt, sie sind die ältesten Erinnerungsreserven der uralten Geschichte unseres Planeten. Und selbst wenn wir von der Größe des Universums bis in die mikroskopischen Tiefen unseres Körpers hinabsteigen und uns mit der Geschichte unseres eigenen Körpers beschäftigen, stoßen wir auf Steine, auf die „Bausteine des Lebens“.
Auch unsere sprachliche Ausdrucksweise ist mit den Steinen eng verknüpft. Steine helfen dem Menschen, bestimmte Tiere, Pflanzen und Gegenstände näher zu kennzeichnen: Steinadler, Steinbock, Steineiche, Steinkraut, Steingut, Steinsalz … usw. Wir sprechen vom „Stein des Anstoßes“, wir sind erfreut, wenn wir bei einem Menschen einen „Stein im Brett“ haben. Wir reden vom „Tropfen auf den heißen Stein“, bringen „Steine ins Rollen“ und werfen selbst dann noch mit Steinen, wenn wir im Glashaus sitzen. Wir lassen unsere Mitmenschen gerne auf „Granit beißen“, zeigen oft einen „versteinerten Gesichtsausdruck“: werden selten „steinreich“ oder „steinalt“. Selbst „hart wie ein Stein“ können wir manchmal sein oder weinen zum „Steinerweichen“. Viele Menschen machen sich auf, den „Stein der Weisen“ zu finden. Wenn einer sie dabei stört, könnte er Gefahr laufen, „gesteinigt“ zu werden. Unzählige solcher Redewendungen ließen sich noch aufzählen, in denen Steine eine Rolle spielen.
26. November 2009 um 11:19
ja, stanislaus (net steinislaus
)
das sprachliche als übertragendes ist sicherlich auch interessant in bilder umzusetzen, das hab ich auch noch vorgenommen.
danke peter,
du bist net nur steineflüsterer, auch frauenflüsterer :-),
hast du eigentlich schon mal stein oder frau angeschrien?
verzeih,
der kyniker lässt sich net unter nem stein vergraben,
der sitzt immer oben drauf, mit nem stein in der hand….
26. November 2009 um 15:06
Oh, das sind ja ganze Abhandlungen über den Stein. Mir ist der Spruch : “Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen. (indisches Sprichwort)” sehr ans Herz gewachsen…so wie schon angedeutet,
enthält der Stein inhärent alle Möglichkeiten, kondensierte und konservierte unendliche Möglichkeiten,
der Stein nimmt auf, unsere Wirrungen und Schwingungen, unsere Verletzungen und unsere Liebe, ich mag die jüdischen Friedhöfe sehr, wegen der in Stein gelegten Gebete.
Und es gibt eine persönliche Steingeschichte von mir, die kommt dann die Tage….Herzlich Ana María
27. November 2009 um 10:01
Es gibt noch einen anderen Aspekt, der mich persönlich an Steinen stets fasziniert. Wenn man so wie ich an der saarländisch/lothringischen Grenze wohnt, kann man auf so vielen Waldspaziergängen noch auf alte bemooste Grenzsteine stoßen. Steine als Symbole für “Grenzwertiges”. Die Erfahrung mit solchen „Nahtstellen“ in unserem Leben ist sehr vielfältig, und es ist schon bemerkenswertwert, warum wir immer wieder Steine verwenden, um damit diese Grenzlinien in unserem Leben symbolisch auszudrücken. “Grenzsteine” markieren schon sehr früh “Mein” und “Dein”. Eine lange und deutungsvolle Geschichte hat zum Beispiel die unendliche Vielfalt der „Grab-Steine“ an der Grenze zwischen der Erfahrung des Sterbens und der Hoffnung der Auferstehung. An der zeitlichen Grenze von Gestern und Heute setzen wir in wichtigen Bauvorhaben gerne unsere „Grund-Steine“. Um anzudeuten, dass in der Taufe die „alte“ in die „neue Schöpfung“ aufgenommen wird, halten wir den Kopf des Täuflings über einen „Tauf-Stein“. Wenn wir in Gottesdiensten unseren menschlichen Bereich mit dem des Göttlichen eine Verbindung aufnehmen lassen, so tun wir das bevorzugt auf einem „Altar-Stein“. Wenn wir uns an den berühmten alttestamentlichen Traum von der „Jakobsleiter“ erinnern, so treffen wir wieder an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum, Bewusstsein und Unterbewusstsein, im Auf-und Abstieg von Erde und Himmel wiederum einen „Stein“, auf dem der Träumende seinen Kopf gelegt hat, vgl. GENESIS 28, 11. Immer wieder sind es diese „Grenz-Steine des Lebens“, die uns so augenfällig und so spürbar ein äußeres Zeichen geben, hier an einem wichtigen Ort, an einem wichtigen Zeitpunkt zu sein, an der Berührungslinie von so verschiedenen, sich aber unbedingt ergänzenden „Welten“, der Welt der Erfahrung und der Welt der Hoffnung; Welten, die wir nicht abgrenzen dürfen, weil sie sich berühren und ein Ganzes bilden müssen. An dieser Grenze zwischen Tod und Leben müssen wir zwar nüchtern anerkennen: “Ja hier stoßen wir hart an die Grenze von Erfahrung, an die Grenze von Verständnis, von Beweis und Sicherheit, aber hier ist eine Situation, die unser Herz einlädt zu springen, zu springen über alle Gräben des Zweifelns hinweg.
Ich liebe die Steine und betrachte die „stummen“ Geschöpfe gewissermaßen als „Freunde“, deren Anblick und Gegenwart mir in vielen Stunden, in vielen schwierigen Situationen Halt und Zuversicht bedeuten.
27. November 2009 um 15:26
ja, das grenzwertige, da hast du recht… steine zeigen grenzen auf.
gut dass man darüber auch mit steinen werfen kann