Angst- Mut -Stein

Ich verbringe sehr viel Zeit mit Steinen und beschäftige mich auf verschiedenartigste Weise mit ihnen. Doch Steine zum Essen oder zum Bezahlen meines Lebensunterhaltes habe ich noch nicht gefunden. Aber auch noch nicht gesucht. Also muss ich mein Geld zum Leben wie jeder andere auch durch Arbeit verdienen.
In den Wochen vor den Osterferien gab ich an verschiedenen Schulen mit den unterschiedlichsten Klassen Zirkusworkshops. Aus dieser Zeit möchte ich euch heute mal eine kleine Geschichte erzählen. Außer Jonglieren, Akrobatik … gehören auch Fakirtechniken zu meinem Angebot. Nagelbrett, Scherbenlaufen. Bei fast allen Zirkustechniken braucht man Geduld und Ausdauer. Das ist für die Kinder oft frustrierend, denn viele sind es nicht mehr gewohnt, lange an einer Sache zu bleiben. Man muss ihnen immer wieder Mut machen, sie motivieren. Das ist echt Arbeit - für beide Seiten.
Bei Fakirtechniken ist das anders. Das kann jeder, der etwas Mut und Vertrauen hat, schnell lernen. Dort bekommen sie schnell ein Erfolgserlebnis.
Doch was hat das alles mit Steinen zu tun. Über heiße Steine lasse ich die Kinder doch nicht laufen. Wie heiß Steine werden können, hat jeder bestimmt schon mal im Hochsommer erlebt.
Das Nagelbrett, wie der Name schon sagt, besteht aus vielen Nägeln. Wenn man gleichmäßig auf die Nägel steigt tut es zwar auch noch etwas weh, aber man kann es ertragen. Vorher erzähle ich natürlich Geschichten über mentale Strategien der Fakire. Fast immer versuchen es alle Kinder.
Letzte Woche hatte ich nun folgendes Erlebnis. Die Kinder stiegen nacheinander auf das Nagelbrett und verzogen dabei mehr oder weniger ihre Gesichter. Angenehm ist das nicht. Ein Junge saß auf der klassischen Turnhallenbank und heulte. Am Anfang war er gar nicht ansprechbar. Ich versuchte es immer wieder. Schließlich erzählte er mir, dass er gerne auf das Brett möchte, aber furchtbare Angst hat. Mit allen Mitteln versuchte ich ihm immer wieder Mut zu machen, aber er schaffte den Schritt nicht. Fast alle Kinder waren mittlerweile auf dem Brett gestanden. Ich war fast mit meinem Latein zu Ende. Wenn jemand überhaupt nicht will, ist das was anderes. Doch er wollte und konnte nicht.
Als Peter der Steinflüsterer habe ich natürlich immer einen Stein in meiner Hosentasche oder im Rucksack. Da kam mir die Idee. Ich nahm mir den Knaben zur Seite und erzählte ihm über meinen magischen Stein. Ich habe ihn immer bei mir. Er gibt mir Kraft und Mut und vor allem kann er Angst nehmen. Erstaunlicherweise ging der Junge auf die Geschichte ein. Er hörte auf zu weinen. Nahm den Stein in die Hand. Drückte ihn. Gab dem Stein seine Angst und stieg auf das Nagelbrett. Trotz der leichten Schmerzen an seinen Füßen zog sich ein Lächeln der Freude über sein Gesicht. Er hatte es geschafft. Er war glücklich und stolz. Er hatte seine Angst überwunden.
Später beim Scherbenlaufen, was zwar gefährlicher ist aber nicht weh tut, hatte er keine Probleme. Die Erfahrung mit dem Nagelbrett war noch frisch und er stieg als einer der ersten auf die Scherben. Diesmal sogar ohne den Stein. Am Ende der Stunde strahlte der Junge. Er hatte für sich eine wunderbare Erfahrung gemacht. Erstaunlich welche Kräfte Steine doch haben wenn man sie zum richten Zeitpunkt in die Hand nimmt.
Den Stein habe ich dem Jungen für zukünftige, brenzlige Situationen geschenkt.
m301

2 Antworten zu “Angst- Mut -Stein”

  1. mARTina Jäger sagt:

    ein schöner bericht über dein tun
    und
    eine schöne geschichte um den stein

  2. Nicole sagt:

    Da hast Du zum richtigen Zeitpunkt den Stein ins rollen gebracht! Super!

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