Im Gleichgewicht
Es ist einfacher einen Stein ins Gleichgewicht zu bringen,als wie sich selber im Gleichgewicht zu halten. Das Ausbalancieren von Steinen ist eine meditative Hilfe. Doch man muss sich die Zeit dazu nehmen. Um das nicht zu vergessen, erinnere ich mich heute selber daran.


02. Juli 2010 um 09:34
Lieber Peter,
du hast Recht mit deiner Bemerkung “Es ist einfacher einen Stein ins Gleichgewicht zu bringen, als wie sich selber im Gleichgewicht zu halten.”
Aber selbst der Stein ist eigentlich nie im “Gleich”-gewicht. Auch er wird immer noch hin und her schwanken, wenn er für unsere Augen im “Gleichgewicht” zu liegen scheint. Das Hin- und Her-schwanken ist überhaupt die Grundmelodie unseres Lebens.
„Sich im Gleichgewicht halten, sich anpassen, ohne sich aufzugeben: das kann ein Zweck des Philosophierens sein“, meint Bertold Brecht. Er spielt damit auf eine Grundspannung in unserem Leben an, sich immer wieder zwischen verschiedenen, sich aber notwendig ergänzenden Gegensätzen im Leben so hin- und herzubewegen, dass wir das innere Gleichgewicht nicht verlieren und zu sehr in eines der beiden Extreme hineingeraten.
Fritz Kunert nennt solche erlebten Gegensätze in uns „Oppositionen“, von denen wir uns „hin- und hergerissen fühlen“, er beschreibt den Umgang mit solchen Oppositionen als „einen Seiltanz“. Er sagt: „Diese Welt ist eine Welt der Energie, der Schwingung, der Bewegung, der Veränderung, der ständigen Aktivität. Stillstand ist nur eine Idee. Die Welt ist wie eine kosmische Waage, die immerwährend hin- und herwippt. Gerade dieses Wippen oder Schwingen zwischen den beiden gegensätzlichen Polen der Existenz bringt alles Leben hervor. Eine Opposition kann als ein Waage-Aspekt verstanden werden, denn sie verbindet ein Gegensatzpaar miteinander und sorgt so für eine Ergänzung. Wer Träger einer Opposi-tion ist, trägt also gewissermaßen eine Waage in seiner Psyche. Diese Waage kann aber in dieser Welt der ständigen Bewegung niemals im Ruhezustand sein. Nur jene Waage, die sich in Ruhestellung zwischen den beiden Polen befinden würde, wäre in totaler Harmonie und Ausgewogenheit. Der Preis dafür wäre aber hoch, denn mit dem Erlöschen der Bewegung würde auch jede Aktivität und damit jegliches mensch-liche Leben erlöschen. Und letztlich würde sogar die Waage selbst verschwinden und ins Reich der unverwirklichten Ideen zurückkehren, denn das Wippen ist der Faktor, der sie in der Existenz hält. Eine Opposition macht die Seele zum Seiltänzer. Die Opposition kann wie der lange Stab in den Händen des Künstlers verstanden werden. Dieser Stab hat die Aufgabe, für Stabilität und Gleichgewicht zu sorgen. Wenn das Seil den Lebensweg der Seele symbolisiert, dann wird das ungeheure Geschenk ersichtlich … denn sie versucht ein Abstürzen der Seele auf die eine oder andere Seite zu verhindern. Nicht einmal der talentierteste aller Seiltänzer versteht jedoch die Kunst, so auf dem Seil zu tanzen, dass er nicht zumindest ein wenig hin und her schwankt. Vielleicht für das Auge manchmal fast unmerklich, aber dennoch. Es liegt in der Natur seines Unterfangens. Was den Meister vom Schüler allerdings unterscheidet, ist das Ausmaß seines Schwankens, seine Schwingungsbreite. Nur wer in die Manege stürzt und dabei das Leben verliert, schwankt nicht mehr. Wer lebt, der schwingt, pendelt und wippt.“
Ist es der Herschlag der Existenz?
02. Juli 2010 um 10:44
sehr schöne beiträge, ihr zwei…
ich sehe das leben als pendel,
einen kurzen zeitpunkt befindet es sich im lot, dann schlägt dr pendel aus in extreme,
die sich am ende oft
(nicht immer)
ergänzen, zusammenfügen oder perspektiven schaffen.
ich selber habe nie die ausgewogenheit
einer waage für mich in betracht gezogen,
weil das nicht zu mir passt.
auch das hat ursachen in empirie, persönlichkeit, prägung, umwelt, motivation, kür und pflicht und so weiter.
es ist die bewegung, die dynamik
die mich schlagen lässt.
in peters steinreich wird mir das immer klar,
da durchlebe ich innerlich
steinreiche metaphern:
vom ruhended stein, der in sich gekehrt ist, ohne bedarf
bis hin zur steinlawine, die verändert und bewegung verschafft.
beide steinbilder können nicht für sich stehen,
sie sind im leben präsent.
viel freude heut