Archiv für die Kategorie ‘Steingedanken’

Urgestein - Stanislaus Klemm

Montag, 08. Februar 2010

Da ich mir nicht so sicher bin, ob die Besucher auch regelmäßig die Kommentare lesen,erscheinen auf der Tagesseite immer wieder  besonders ansprechenede Worte und Gedanken.

Kommentar:
Zu den Bildern: “Urgestein”

Am Tag, an dem die Steine klagen…
“wir sind die alten grauen Steine,
das Urgestein,
ihr Sterne schaut uns an,
blaue Gipfel eurer Zukunft,
Splitter Eurer Hoffnung,
die verstummt
wie das Herz eines Kindes,
das kaum geboren wieder sein Leben verliert,
Ihr Sterne schaut uns an,
geborstene Pfeiler einer Brücke,
voller Kraft gewölbt
von den steilen Ufern der Milchstrasse
über das graue Meer der Wandlung
bis hin zum Strand des Lebens,
das dem Meer entstieg
und nun im Meer der Träume versinkt.
Ihr Sterne schaut uns an,
wir sind wie stumpfe Zähne
im aufgerissenen Mund der Erde,
die ihr Leben beweint,
einen verlorenen Schatz,
um den das Weltall sie beneidet.

Unterwegs im Lindelbacher Steinbruch bei Würzburg. Hier komme ich immer wieder her und entdecke etwas Neues. Viele Stunden habe ich dort schon verbracht und viele Bilder habe ich an diesem Ort gemacht.

Martina Jäger

Mittwoch, 27. Januar 2010

MeinStein, der zweite

einzigartigkeit
gefunden

das gewesene steinwesen

erfassend
erkennend
durchdringend
verstehend

um dir neues angesicht zu geben
dich zu verändern
meinetwegen

weil
der schöpfende mensch es nicht sein lassen kann

mARTina

Martina Jäger

Dienstag, 26. Januar 2010

MeinStein, der erste

beschreibung

im schliff der zeit
gerundet durch die macht der natur
grauer abbruch eines momentes
schwarze unkenntnis von menschenhand
erfasst die oberfläche
zeitweilig durchleuchtet
von goldenen impulsen der erkenntnis
sich drehend
um neue gestalt sichtbar werden zu lassen
um das wesen des seins zu ergründen
welches sich verbirgt in meinstein
ich will verstehen
einen moment lang
um wieder loszulassen.

mARTina

Stanislaus Klemm

Freitag, 04. Dezember 2009

Vielleicht würden uns die Steine, wenn sie eine Sprache hätten, daran erinnern:

● „Wir waren dabei,
von Anfang an dabei und sahen das erste Grün der Algen, Wiesen Hecken, Bäume… Wir sahen goldene Ähren, roten Mohn und weiße Rosen…
● Wir waren aber auch dabei,
von Anfang an dabei und sahen gelbe Tannen, kranke Wälder, Äste wie verdorrte Stümpfe, Blätter, eingerollt vor Schmerzen, Blei im Brot und Gift im Wein…

● Wir waren dabei,
von Anfang an dabei und hörten den Herzschlag der ersten Tiere, den ersten Schrei der Adler, den Gesang der Nachtigall. Wir hörten Liebeslieder kluger Wale…
● Wir waren aber auch dabei,
von Anfang an dabei und hörten den letzten Flügelschlag des Pelikans, bevor er im schweren Öl versank. Wir hörten den Schmerzensschrei geschälter Robben, das stumme Weinen im Labor und den Grabgesang der Raben…

● Wir waren dabei,
von Anfang an dabei und staunten über das erste „Du“ des Menschen, wie er seine Sprache fand, wie das Werkzeug wuchs in seiner Hand… Wir staunten über Dichter, Sänger, Musikanten, Pyramiden, Dome, Mondraketen…
● Wir waren aber auch dabei,
von Anfang an dabei und staunten über das Krebsgeschwür seiner Wünsche, den Abgrund zwischen arm und reich. Wir sahen, wie Maßlosigkeit ihre Grenzen verwischte, wie Fortschritt aus der Bahn geriet, wie Verwirrung giftige Blüten und der Wahnsinn tödliche Früchte trieb.

● Wir sind die alten grauen Steine,
das Urgestein.
Wir waren dabei, von Anfang an dabei, ein Wahnsinn ohnegleichen. Du glaubst es kaum, es ist zum Stein erweichen. Was die Natur ans Licht gebracht, in tausendmal tausend und abertausend Stunden,
der Mensch kann es zerstören
in wenigen Sekunden,
in wenigen Sekunden.“

In der Bibel steht auch der bemerkenswerte Satz:

„Wenn sie [die Menschen] schweigen, werden die Steine schreien.“
Lukas 5,19
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