Oster -Stein – Geschichte

Oster -Steingeschichte
Eigentlich ist es ja eine Weihnachtsgeschichte. Denn mein Wunsch zu Weihnachten im Jahr 2007 war ein Lastwagen voller Steine. Von meinem VW Passat hatte ich im Laufe des Jahres 3 mal den Auspuff beim Transport meiner Lesesteine abgerissen. Das wird auf die Dauer teuer. Doch wenn man vom Steinfieber gepackt ist, setzt die Vernunft aus. Ausserdem sind meine Stossdämpfer nur noch einen Schatten früher Zeiten. Aber ich bin stolz und dankbar, dass das Auto das alles mitmacht. Es hat zwar den Charakter eines Baustellenfahrzeuges angenommen, doch es ist zuverlässig. Ich könnte mein Auto echt schonen, wenn ich es nicht immer bis an die Grenze der Belastbarkeit belade. Da lag es sehr nah, das dieser Lastwagenwunsch in mir keimte und wuchs.Trotz verschiedener Bemühungen klappte es aber nicht zu Weihnachten. Ich lies nicht locker und schaute mich weiter um. Hatte viele Gespräche und Begegnungen. Aber das ist eine eigene Geschichte.
Am 19 März war es dann soweit. Ich hatte einen Termin mit einem Lkw, dem dazugehörigen Fahrer und einen Steinbruch mit vielen Steinen. Es lief alles wie am Schnürchen. Kurz vorher gingen ein paar Schnee und Hagelschauer nieder, doch beim Aufladen strahlte die Sonne. In meinem Kopf baute ich schon mit den Steinen.
Völlig happy fuhr ich , mit dem VW, und Herr E. mit dem LKW nach Theilheim. Meine Laune und Vorfreude war grenzenlos. Es klappte einfach alles. Der Lkw mit Herrn E. am Steuer fuhr rückwärts auf mein Grundstück und gut 8 Tonnen Muschelkalksteine in allen Grössen rollten auf mein Grundstück. Da kann ich jetzt in aller Ruhe weiterbauen. Der Wind pfiff eisig, noch ein schneeschauer. Zeit zum Bedanken , bezahlen und Abschied.
Doch so schnell ging es dann doch nicht. Die Wiese war durch die Niederschläge feucht geworden. Der Lkw schwer. auch ohne Steine. Nach ein paar Meter hat er sich in den Boden gefressen. Das Reifenprofil war weg, verdreckt. Es ging nichts mehr. Jetzt keine Panik. Ruhig bleiben.
Wir unterlegten mit Holz. Wir unterlegten mit flachen Steinen. Wir unterlegten mit Dachziegeln. Wir unterlegten mit Holz, flachen Steinen und Dachziegeln. Nichts klappte. Zwischendurch etwas Feuchtigkeit vom Himmel.So langsam verloren wir unsere Ruhe. Her E. bekam dann noch Anrufe. Er hatte noch einiges vor. Es entstand langsam spürbarer Druck.Ich wurde auch immer nervöser. Alle unsere Versuche scheiterten. Kein Bauer weit und breit. Sonst fahren da immer ein paar Traktoren in der Gegend herum.
Was soll man machen. Mein Passat. Vielleicht schafft er ja den nötigen Impuls zu geben. Es fehlt ja nicht viel. Ein kleiner Rück. Gesagt , getan. Unterlegen der Reifen. In Position bringen. Gas geben. Noch mal Gas geben. Es bewegt sich ein wenig. Vor und wieder zurück. Mein VW macht ein paar Zentimeter gut, wird dann aber vom Gewicht des LKWs zurückgeschleudert. Ich habe das Gefühl als ob mein Passat auseinander gerissen wird.
Doch jetzt ist auch schon alles egal. Gas. Reifen drehen Durch. Qualm. Vor und zurück. Aussteigen, unterlegen. Gas geben. Verzweifelte Blicke. Schneegestöber. Ein Kampf um cm. Ein aussichtsloser Kampf. Das Gehirn hat ausgesetzt. Nur gut das uns keiner beobachtet hat. Nachdem die LKW und PKW Reifen zum wiederholten mal zum Qualmen anfingen, gaben wir auf. Immer noch kein Traktor weit und breit in Sicht.
Wir fassten einen neuen Entschluss. Ich sollte ins Dorf fahren und Hilfe holen. Her E. wollte seinen LKW nicht alleine lassen. Das wir beide mittlerweile nicht mehr bei bester Laue waren, muss ich ja nicht extra erwähnen. Doch es hielt sich in Grenzen.
Im Dorf fuhr ich erst mal ein paar Bauer an, die ich noch aus meiner Theilheimer Zeit kannte. Nichts. Entweder machte niemand auf, oder es war keiner da. Was im Endeffekt auf das Gleiche hinauskommt. Ich hatte mittlerweile meine innere Ruhe ganz schön verloren.Nächste Station. Der ortsansässige Bauunternehmer. Seine Frau war zwar da, aber die Arbeiter inclusive Ehemann waren in der Stadt auf einer Baustelle. Langsam gingen mir die Gedanken aus. Der arme Kerl steht da oben im Schneeregen und ich habe keine Ahnung was ich noch machen soll.
Da fahre ich am Haus vom Landschaftsgärtner vorbei. Gedankenblitz. Im Hof steht ein Allradfahrzeug. Den kenne ich . Den frage ich. Bremsen. Sprung aus dem Auto. Klingeln. Warten. Er ist auch nicht zu Hause. Mist. ich will frustriert wieder in mein Auto steigen. Wow. Das gibt es doch nicht. Mein Auto steht nicht mehr da. Es hat sich selbständig gemacht. Nachdem ich die Handbremse nicht angezogen hatte und leichtsinnigerweise keinen Gang eingelegt habe, war es für den VW Passat eine Leichtigkeit sich aus dem Staub zu machen. Er rollte gemütlich ohne Hast ca. 15 bis 20 Meter der Hauptstrasse entlang. wechselte dabei gemütlich die Fahrbahnseite. Überquerte die Strasse. Ein entgegenkommender Fahrer in seinem Mobil stieg auf die Bremse. Mein Auto fuhr ca. 10 cm an Ihm vorbei, durch ein Blumenbeet und setzte sich in Zeitlupe an ein Haus. Das haus hatte natürlich einen Natursteinsockel. Das nur nebenbei. Mir blieb erst mal die Luft weg. Für einen kleinen Moment war ich zu einem Stein erstarrt. Ruhe in mir. Ruhe an der Hauswand. Ruhe und Staunen im Automobil .Ich erkundigte mich nach dem Befinden der Insassen. Begutachtete ihr Auto. Alles in Ordnung. Ohne weiteren Worte ging ich an die Mauer zu meinem Auto. Auch da konnte ich keinen Schaden feststellen.Glücklicherweise war in der Mauer ein Kellerfenster. Mein Auto fuhr genau so an die Mauer, das die Scheinwerfer im in der Kellerfensterausbuchtung waren. Die Stossstange hatte einen leichter Kratzer. Sonst nichts. Echt Glück gehabt. Doch Her E. stand ja immer noch mit seinem LKW und wartete.Irgendwie hat mich der Vorfall aber wieder etwas ruhiger gemacht. Es ist so wie es ist. Auch wenn man es manchmal einfach nicht wahrhaben will. Ich legte den Rückwärtsgang ein und fuhr Langsam durch Dorf. Zum Glück stehen die Hoftore in Franken tagsüber sehr oft offen. So hatte ich die Möglichkeit und das Glück eine Grossen Traktor in einer Einfahrt zu entdecken. Dann ging alles relativ schnell. Ich fragte höflich. Erklärte kurz und ohne Ausschweifungen die Situation und bat um Hilfe. Die Götter waren mir wohlgesinnt. Ohne lang zu überlegen machte er sich auf den Weg und Zog Den LKW mit Herrn E. aus dem Dreck. Noch ein paar Worte untereinander. Ein paar Euro Entschädigung. Ein paar Euro für Herrn E. Auf wieder sehen. Doch nur bei trockenem Wetter. Ob ich wohl noch irgendwann um eine ähnliche Fuhre bitten darf. Abwarten.
So kam ich zu meinen Ostersteinen. Habe dann die Wiese so gut es ging wieder gesäubert. Begradigt. Noch ein Blick auf meinen Steinhaufen. Ab ins Auto. Kaum gestartet und ein paar Meter gefahren klingelt das Telefon.
Nachricht. Ein guter Freund hatte einen Herzinfarkt. Liegt auf der Intensivstation. Mir zieht es die Farbe aus dem Gesicht. Erst mal ein Schock. Das gibt es doch nicht. So schnell kann es gehen. Doch er hatte Glück das alle so schnell reagiert haben und er ist zum Glück auf dem Weg der Besserung. Alles Gute.
Was ist schon wirklich wichtig im Leben. An diesem Tag durfte ich noch über viele Dinge nachdenken und hoffe das ich von diesem Tag gelernt habe.

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Eine Antwort zu “Oster -Stein – Geschichte”

  1. Erwin sagt:

    Ja, Peter, da hast du ja etliches erlebt. Und wenn du dann noch lernst, ist es noch großartiger. Mach‘ langsam, sonst ist der Ostersteinhaufen gleich weg und deine Bandscheiben auch.

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