Steingedanken 32

Unsortierte Gedanken zum Thema Steine im Allgemeinen.

Lasse ich meine Gedanken ein bisschen zu diesem Thema schweifen, so kommt mir unausweichlich mein frühe Jugend in Erinnerung. Und die ist nicht erfüllt mit freundlichen Gedanken an Steine.
Ich war damals so um die 9 Jahre alt. Es war die Zeit als Würzburg noch überwiegend durch Ruinen geprägt war und viele Städter von dem Wunsch beseelt waren, irgendwo ein kleines Stückchen eigens Grün zu besitzen. Meinen Vater durfte man wohl zu den Glücklichen zählen, der es, wenn auch mit Einschränkungen im täglichen Leben, ermöglicht bekam, sich ein Stück Land zu erwerben. Am Nordhang des Steinberges, ein ehemaliger Weinberg. Vaters Glück war in so weit zum damaligen Zeitpunkt perfekt.
Aber wie es Weinberge so an sich haben, steinreich. Kleine, große, verteilt auf die unterschiedlichsten Bodenschichten, eine Herausforderung an jede Pflanze, die in dieser Steinwüste gedeihen sollte. Nur haben die Steine nicht die Beharrlichkeit meines Vaters bedacht. Jede freie Minute wurden Steine aufgelesen. Weitgehendst nach Größe in verschiedene Behältnisse sortiert, um damit später mal Zementgemisch ansetzen zu können. Und aus dieser Zeit meine immer noch vorhandene Antipathie zu Steinen. Ich durfte (!), auch mit einem Eimer bewaffnet, bei jeder Anwesenheit im Garten in den Kampf gegen die Steine mit eingreifen. Dass man als letztes Ergebnis dieser Bemühungen später mal preiswertes Gemüse und Obst ernten konnte, zu der damaligen Zeit, es gab da noch keine Suppermärkte und das bisschen Geld war immer knapp, konnte ich in meiner Jugend noch nicht denken.
Das ist jetzt alles schon viele Jahrzehnte her, und meine Einstellung zum Stein hat sich sicherlich geändert. Allerdings, wann denkt der, in der heutigen Zeit doch ganz schön verwöhnte Städter, mal an Steine? Da muss vermutlich erst ein sogenannter Steineflüsterer kommen, um den aktuellen Mensch daran zu erinnern, dass der Stein als solches immer noch ein Naturprodukt ist, dass in seiner Verwendbarkeit und auch in der tatsächlichen Verwendung, nur schlecht wegzudenken ist.
Und schaut man in den modernen Enzyklopädien unter Stein nach, so stellt man fest, dass der Mensch auch dieses Naturprodukt katalogisiert und einordenbar gemacht hat. Da gibt es für jede Größe und für jedes Schichtvorkommen spezielle Bezeichnungen und dem Stein als freies Fundstück der Natur wird versucht sich dem Normenzwang uns sog. modernen Menschen unterzuordnen.
Jetzt bin ich weder geologisch vorgebildet, noch habe ich mich vorher besonders mit diesem Thema beschäftigt. Aber so aus dem Stand gefragt, sage ich, es wird noch Steine geben, in aller Vielfallt und Schönheit, da gibt es uns armseeligen Menschen schon lange nicht mehr.
Und so bin ich dem Steineflüsterer direkt dankbar, dass er mich durch seine Ideen auch zum Denken im Thema Stein veranlasst hat. Und gehe ich ein bisschen mehr in mich hinein, so stelle ich fest, je mehr man über Steine nachdenkt, desto interessanter werden sie. Als bloßes Material, als Medium zur Kunst, als optische Lockerung der Erdoberfläche, es gibt bestimmt noch eine Vielzahl von Erwähnungen, die hier fortgesetzt werden könnte, aber das sollten wir jetzt wirklich einem überlassen, der sich anschickt, aus dem bloßem Stein ein natürliches Kunstwerk zu erschaffen, dem Steineflüsterer.

Peter Münich

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