Gedenken an einen Freund

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Heute ist leider ein sehr trauriger Tag. Ich muss Abschied nehmen von einem Guten Freund. Ihn auf seinen letzten Weg begleiten. Mit Michael habe ich und die Welt einen großartigen, bewundernswerten Menschen verloren. Ich bin sehr stolz , dass ich mit diesem Menschen einen Teil meines Lebens verbringen durfte. Wir haben gemeinsam sehr schöne Momente erlebt. Ich habe von Michael sehr viel gelernt. Es gibt ganz wenige Menschen in meinem bisherigen Leben, von denen ich soviel Respekt und Achtung habe. Er hat mich in seinem Leben , durch seine Lebensfreude,seine Aufgeschlossenheit, seine Toleranz, sein Mitgefühl,sein Verständnis, seine Großzügigkeit und Offenheit immer wieder überrascht und erfreut.
Er hinterlässt ein grosses Loch in meinem Leben. In meinem Herzen wird er jedoch immer sein. Sein Gehen war für mich ein Schock und ich wollte es nicht wahr haben. Mittlerweile habe ich viele Momente mit Gesprächen und Gedanken an ihm verbracht. Er hat viel zurückgelassen. Viele fassungslose, tief betroffene Menschen. Doch er hat sehr viel Positives durch seine Art zu Leben hinterlassen. Wir können viel von dir lernen. Ich werde es auf jeden Fall versuchen, einiges von deiner Lebenseinstellung und den Umgang mit Menschen, auf meinem zukünftigem Lebensweg selber zu leben. Vor allem in Bezug auf andere Menschen ist er für mich ein grosses Vorbild gewesen. Nicht nur sich selber immer sehen und wichtig nehmen. In vielen Punkten kann ich zu dir mit großer Achtung aufschauen.

Michael. ich habe in den letzten Tagen einige Spaziergänge gemacht, und für dich Steine gesammelt. In meinem Steingarten habe ich für dich einen kleinen Turm gebaut. Darauf habe ich noch einen bemalten Stein gesetzt, der dir bei deinem letzten Besuch besonders gut gefallen hat. Das Bauen hat mir in der ersten Tagen sehr geholfen und mich auf andere Gedanken gebracht. So bist du auch in dieser Form immer bei mir. Jedes mal wenn ich bei den Steinen bin, bin ich auch an deinem Turm uns so auch bei Dir. Ich werde dich nicht vergessen.
Da ich zu einigen Steinen ein besonderes Verhältnis habe, bin ich sehr froh, dass ich ein Gedicht von Stanislaus Klemm, über den Bergkristall gefunden habe. Er besteht einfach nur aus Kieselsäure, also Quarz. Ist Bescheiden und doch so strahlende Energie.

Der Bergkristall ist für viele Sammler “der Stein”, der “Kristall” schlechthin. Der Bergkristall ist besonders geeignet, als Sinnbild für die Welt der Form, der Struktur, der Ordnung und der Harmonie zu stehen. Der Bergkristall wird zum Symbol für Klarheit und Zuverlässigkeit. Sein helles und doch sanftes Licht gibt dir Ruhe und Stille.
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Ich bin ein Bergkristall……
bei meinem Anblick verlieren sich deine Augen
in meiner gläsernen Kälte.
Scheinbar erstarrt und erfroren bleibt die Gegenwart stehen
wie in einem Spiegelsee.
Im Morgenlicht tauchen deine Erinnerungen auf,
vereiste Träume der Vergangenheit,
zart wie ein Hauch am kalten Glas,
zerbrechlich wie glitzernder Reif.
der erste Schnee wie Engelshaar,
so leicht wie deine ersten Jahre.
Blaue Eiszapfen, von der Sonne geschliffen,
die erste Schlittenfahrt, eine Reise in die weiße Atemlosigkeit.
Die dünne knisternde Eisdecke über der Kindlichen Neugierde.
Das Spiel mit den Glasperlen,Blicke in die Bleikristallschale,
die die Zeit verschluckt.

In meinem Herzen brennt nicht das Feuer des Diamanten.
Wie das Mondlicht in wolkenloser Nacht zieht
das reine Licht
durch mich hindurch,
selbstlos.

Meine Kühle und meine Klarheit
kannst du an deine Schläfe pressen
in dunklen Stunden.
Mein ruhiges und mein angenehmes Licht
malt lebende Eisblumen
auf deine Angst

Ich bin ein Bergkristall….
Ein Tanz von Licht und Schatten zeichnet im Wechselspiel
zarte Kompositionen aus Formen und Flächen, Winkeln und Kanten.
Kristalline Symphonie geometrischer Fingerübungen:
Die Säule, Stamm eines Lichtbaumes.
Die Pyramide, ein gläserner Pharaonensarg.
Das Dreieck,eine Schlussfolgerung.
Das Viereck, das Rechteck, das Quadrat,
sich festlegen und beharren.
Das Sechseck, ein Schwebezustand im Kreis,
Bienenwabe, lichtgefüllt.
Die Kanten, eine Gratwanderung zwischen Trennen und Verbinden.
Die Winkel, Vorhersagbarkeit und Zuverlässigkeit.

An meiner kalten Form
zerreissen die Schleier deiner Schwermut,
deine Verwirrung,
deiner Verblendung.

Auf den matt schimmernden Flächen
schlanker Quarzkörper,
auf den Eisgipfeln ruht die Stille,
die Zeit bleibt stehen.
Es ist die Ruhe der Bergwelt,
der schweigende Kristallhimmel,

das Flüstern gläserner Meere,
wie die Harfe des Windes.

Ich bin ein Bergkristall…
in meine Ruhe kannst du eintauchen,
um dort die Unruhe deiner Sehnsucht zu finden.
Von meiner Bewegungslosigkeit kannst du dich bewegen lassen.
In meine Stille hinein kannst du tanzen und
singen: Lieder über fremde Welten.

Ich bin Durchblick und Einblick,
Fenster in unsichtbare Welten.
Mein Lichtkörper ist Stoff aus reinem Quarz, durchsichtig bis auf den Grund der Welt.
Kieselsäure, zu Licht geronnen.
Ein Großteil unserer Erde
ist aus meinem lichten Stoff,
unsichtbar und für die Augen keine Falle.
Unbegrenzter Übergang und Überschreitung,
Durchgang,
tritt nicht in Erscheinung
und ist doch harte Wirklichkeit
und hält die Welt zusammen.
Was die Sinne begreifen und ins Auge springt,
ist nur der Schnee auf dem Gebirge,
Schaufenster dunkler Rätsel.

Du kannst Mauern und Wände durchdringen,
wenn sie dich daran hindern,ein Fenster zu bauen,
um einen Blick über deine Grenzen zu werfen.
Ich lehre dich,
die Kräfte wahrzunehmen,die du noch nicht begreifen kannst.
Ich bewahre dich davor,
jenen schwarzen Vogel nachzuahmen,
der im blinden Flug
am Fensterglas zerschellt,
der verblutet an der Unsichtbarkeit.

Vielleicht,
vielleicht bin ich doch der
“Stein der Weisen”

2 Antworten zu “Gedenken an einen Freund”

  1. Johann sagt:

    Auch ein Freund von mir ist an einem 1. April gesorben Joachim Kaiser.
    Heute hab ich Dich in der Zeitung gesehen.
    Grusse Johann

  2. Stanislaus Klemm sagt:

    Hallo, lieber Steinflüsterer,
    ich habe mich sehr gefreut, dass ich beim Lesen dieses interessanten Portals erfahren durfte, dass es noch viele Menschen gibt, die, was die Steine betrifft, ähnlich wie ich denken und fühlen.
    Es hat mich auch gefreut, dass es noch jemanden gibt, dem der Bergkristall so am Herzen liegt.
    Und ganz besonders hat mich gefreut, dass etwas von mir selbst zitiert wurde.
    Ich bin nämlich der Autor dieses Gedichtes.
    Du hast es sicherlich meinem Buch: „Wenn Steine reden – Botschaften aus einer stillen Welt“ entnommen.

    Ich werde am 4. September 2008 beim Saarländischen Rundfunk, 3. Programm (Saarlandwelle) um 7.20 Uhr eine kleine Morgenansprache über „meinen“ („unseren“) Bergkristall halten. Weil Du den Sender wahrscheinlich nicht hören kannst, werde ich Dir bei Gelegenheit ein entsprechendes Podcast zumailen.

    Herzliche und steinreiche Grüße

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