Steingedanken 38

-Hallo Peter,

Im Tessin gibt es einen Wasserfall. Den größten Teil der Strecke fließt das Wasser in einer breiten Front über den Granit, sammelt sich strudelnd in einigen tiefen Becken, Wannen und Gumpen, rauscht gebündelt weiter und stürzt dann als „Wasserfall“ in einen kleinen See hinein.
Das Wasser in dem See ist warm, aufgeheizt von dem sonnenerhitzten, schwarzen Granit, über den das Wasser hinunterwellt. Das Bergwasser ist ansonsten unerträglich kalt.
Nun ist der Granit nicht nur eine wunderbare Heizung. Er ist auch eine spektakuläre Rutschbahn. Die Wand, über die das Wasser aufgefächert hinunterfließt, ist 10 Meter breit und so steil, daß man an den Seiten, wo das Wasser nicht fließt, barfüßig und barhändig auf allen Vieren gerade so noch hochsteigen kann. Wo es naß ist, wird der Granit rutschig. Glattpoliert vom Wasser.
Mit einigem Mut sprangen wir wie die Katzen auf allen Vieren in den vom Wasser und kleinen Algen geschmierten Granit und sausten auf Füßen und Händen und dem Po zischend hinunter. Der Sturz wurde in einer der Wasserwannen gebremst, in die  wir hineinschossen, bevor das Wasser auf der anderen Wannenseite in den See stürzte. Das Wännchen maß gerade mal zwei mal zwei Meter, und bei der rasenden Abfahrt hatte man den Sturz ins Leere vor Augen. Und je höher man die steile Granitwand emporkletterte, umso größer wurde die Geschwindigkeit, mit der wir das kleine Wasserbecken trafen.
Das entsetzliche Vergnügen war riesengroß.
So. Ob du was damit anfangen kannst? Jedenfalls waren es tolle Erlebnisse. Wasser, Erde, Sonne, Luft und wir mittendrin.

schöne Grüße, Kilian.

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