Hühnergötter

Hühnergötter
„Hühnergötter“ (auch „Hühnerhimmel“ oder „Hühnerglück“, altdeutsch: „Hascherlit“ genannt), sind „Steine mit einem natürlich entstandenen, durchgehenden Loch“ (Wikipedia). Meistens sind es an den Stränden der Nord – und Ostsee oder in eiszeitlichen Geröllen im Binnenland zu findende „Feuersteinknollen mit herausge-witterten Kreideeinlagerungen“. Diese mit Bewunderung empfundenen, seltenen Naturwunder wurden immer schon von den Menschen, die sie fanden, als eine Art Glücksbringer gesehen (eine Art Amulett). Der Begriff „Hühnergott“, so sagen die einen, ginge auf die 1966 erschienene Übersetzung der gleichnamigen 1963 verfassten Novelle von Jewgeni Jewtuschenko durch Thomas Reschke zurück. Im Russischen heißt es: „kuriny bog“ = („Hühnergott“). Dabei handelt es sich um die „Kikimora“, eine zum Poltergeist umgewidmete alte slawischen Gottheit. „Ihr wird unter anderem nachgesagt, dass sie Fäden spinnt, poltert, demjenigen, der sie sieht, Unglück bringt – und das Hausgeflügel stiehlt oder es am Eierlegen hindert. Um den bösen Einfluss abzuwehren, muss man den abgeschlagenen Hals eines Kruges oder aber einen Stein mit einem natürlichen Loch bei den Ställen aufhängen“ (Wikipedia). Im slawischen Sprachraum bezeichnet man damit nicht nur diese „Lochsteine“, sondern „auch andere gebrauchte und zerschlagene Gegenstände, etwa alte Gefäße ohne Boden oder abgetragene Bastschuhe.“(Wikipedia). „Es gibt inzwischen aber mehrere Nachweise, dass der Begriff Hühnergott im Deutschen schon längere Zeit existiert. Der älteste bisher bekannte Nachweis entstammt, wie Freunde Reschkes auf dessen Bitte hin ermittelt haben, dem 1927 bei de Gruyter in deutscher Sprache erschienenen Buch von D. Zelenin zur ostslawischen Volkskunde“ (Wikipedia). „Der Begriff fand 1975 Eingang in den DDR-Duden, wurde aber im nach 1990 vereinigten Duden wieder getilgt. Die im Jahr 2000 erschienene 22. Auflage des Bandes „Die deutsche Rechtschreibung“ verzeichnet ihn jedoch wieder. Man hing diese „Glücksbringer“ in Pferdeställen und vor allen Dingen in Hühnerställen auf oder legte sie unter die Hühnernester, damit sie das Eierlegen begünstigen mögen. Daher wohl „Hühnergötter“. Der bereits erwähnte Jewtuschenko schreibt in seiner Erzählung: „Mir scheint, ein bisschen glaubt jeder an solche Glücksbringer: Die einen mit kindlich vertrauensseliger Offenheit. Die anderen heimlich, mit mürrischer Verbissenheit. Ich glaube heimlich daran.“ (zitiert von Mieste Hotopp – Riecke, Nida, Kurische Nehrung /Litauen)
Viele Mythen und Geschichten verbergen sich hinter den „Steinen mit Loch“. Gerhard Priewe und Fotograf Jürgen Bummert beschreiben sie in ihrem Buch „Hühnergötter – Glückssteine vom Strand“, das im Hinstorff Verlag erschienen ist.

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