Archiv für November 2009

Herbsttag im Stein -Reich

Montag, 30. November 2009

Habe den gestrigen lauen Herbsttag genützt und im Stein – Reich verbracht. Nach über 7 Jahren haben viele Steine mittlerweile durch die Witterung Sprünge und breite Risse. Manche brechen gerade auseinander,andere sind auseinander gebrochen. Aber es ist immer noch nichts eingestürzt. Da bin ich mal gespannt, wie das ein oder andere Bauwerk den Winter übersteht.
Doch so ist das im Leben eines Steines. Er verändert sich ständig. Hier oben bei meinen Steinen kann ich das an vielen Stellen beobachten. Manche Steine sind total zerbröselt. Lösen sich scheinbar ins Nichts auf. Doch nur scheinbar. Irgendwie finden sie wieder einen Platz im grossen Kreislauf des Werdens und Vergehens.

Wort zum Sonntag

Sonntag, 29. November 2009

• Jesaja 28,16: Darum spricht der Herr, HERR: Siehe, ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein, der wohl gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht.

Grenzsteine – Stanislaus Klemm

Samstag, 28. November 2009

Es gibt noch einen anderen Aspekt, der mich persönlich an Steinen stets fasziniert. Wenn man so wie ich an der saarländisch/lothringischen Grenze wohnt, kann man auf so vielen Waldspaziergängen noch auf alte bemooste Grenzsteine stoßen. Steine als Symbole für „Grenzwertiges“. Die Erfahrung mit solchen „Nahtstellen“ in unserem Leben ist sehr vielfältig, und es ist schon bemerkenswertwert, warum wir immer wieder Steine verwenden, um damit diese Grenzlinien in unserem Leben symbolisch auszudrücken. „Grenzsteine“ markieren schon sehr früh „Mein“ und „Dein“. Eine lange und deutungsvolle Geschichte hat zum Beispiel die unendliche Vielfalt der „Grab-Steine“ an der Grenze zwischen der Erfahrung des Sterbens und der Hoffnung der Auferstehung. An der zeitlichen Grenze von Gestern und Heute setzen wir in wichtigen Bauvorhaben gerne unsere „Grund-Steine“. Um anzudeuten, dass in der Taufe die „alte“ in die „neue Schöpfung“ aufgenommen wird, halten wir den Kopf des Täuflings über einen „Tauf-Stein“. Wenn wir in Gottesdiensten unseren menschlichen Bereich mit dem des Göttlichen eine Verbindung aufnehmen lassen, so tun wir das bevorzugt auf einem „Altar-Stein“. Wenn wir uns an den berühmten alttestamentlichen Traum von der „Jakobsleiter“ erinnern, so treffen wir wieder an der Grenze zwischen Wirklichkeit und Traum, Bewusstsein und Unterbewusstsein, im Auf-und Abstieg von Erde und Himmel wiederum einen „Stein“, auf dem der Träumende seinen Kopf gelegt hat, vgl. GENESIS 28, 11. Immer wieder sind es diese „Grenz-Steine des Lebens“, die uns so augenfällig und so spürbar ein äußeres Zeichen geben, hier an einem wichtigen Ort, an einem wichtigen Zeitpunkt zu sein, an der Berührungslinie von so verschiedenen, sich aber unbedingt ergänzenden „Welten“, der Welt der Erfahrung und der Welt der Hoffnung; Welten, die wir nicht abgrenzen dürfen, weil sie sich berühren und ein Ganzes bilden müssen. An dieser Grenze zwischen Tod und Leben müssen wir zwar nüchtern anerkennen: “Ja hier stoßen wir hart an die Grenze von Erfahrung, an die Grenze von Verständnis, von Beweis und Sicherheit, aber hier ist eine Situation, die unser Herz einlädt zu springen, zu springen über alle Gräben des Zweifelns hinweg.

Ich liebe die Steine und betrachte die „stummen“ Geschöpfe gewissermaßen als „Freunde“, deren Anblick und Gegenwart mir in vielen Stunden, in vielen schwierigen Situationen Halt und Zuversicht bedeuten.

Steinige Gedanken von Stanislaus Klemm

Freitag, 27. November 2009

Zwischen unserem Leben und den Steinen sind im Laufe der Zeit unendlich viele Verbindungslinien, viele Wege und Wechselbeziehungen entstanden, spiegeln sich so viele Erfahrungen und Empfindungen wider, dass eine Begegnung mit den Steinen einer menschlichen Begegnung sehr nahe kommen kann. So können z. B. den Steinen zugeordnete geologische Vorgänge wie Heben, Senken, Falten, Drücken, Pressen, Ablagern, Versteinern, Versanden, Verschieben, Ausspülen, Aus- und Abbrechen oder Abschleifen den bildhaften und erlebten Hintergrund für viele zwischenmenschliche Verhaltensweisen darstellen. In der Formen- und Farbenvielfalt sowie in der Entstehungs- und Verwendungsgeschichte der einzelnen Steine ist eine Unzahl menschlicher Erfahrungs- und Stimmungsaspekte gespeichert, in versteinerter Form „festgehalten“ – gleichnishaft, bildhaft und stets bereit, abgerufen, durchdacht, zur Auseinandersetzung herangezogen und neu gelebt oder erlebt zu werden.

Auch in der kosmischen Geschichte sind die Steine die letzten sichtbaren Pfeiler einer gigantischen Brücke, die sich über Raum und Zeit bis zu den entferntesten Milchstraßensystemen spannt. Wir brauchen gar nicht zu den Sternen zu greifen, die Steine selbst sind kostbare Sternensplitter, Spuren geborstener Sterne, aus denen sich Planeten und menschliches Leben entwickeln konnten. Steine sind gewissermaßen die ältesten Bewohner, der Untergrund unserer Welt, sie sind die ältesten Erinnerungsreserven der uralten Geschichte unseres Planeten. Und selbst wenn wir von der Größe des Universums bis in die mikroskopischen Tiefen unseres Körpers hinabsteigen und uns mit der Geschichte unseres eigenen Körpers beschäftigen, stoßen wir auf Steine, auf die „Bausteine des Lebens“.

Auch unsere sprachliche Ausdrucksweise ist mit den Steinen eng verknüpft. Steine helfen dem Menschen, bestimmte Tiere, Pflanzen und Gegenstände näher zu kennzeichnen: Steinadler, Steinbock, Steineiche, Steinkraut, Steingut, Steinsalz … usw. Wir sprechen vom „Stein des Anstoßes“, wir sind erfreut, wenn wir bei einem Menschen einen „Stein im Brett“ haben. Wir reden vom „Tropfen auf den heißen Stein“, bringen „Steine ins Rollen“ und werfen selbst dann noch mit Steinen, wenn wir im Glashaus sitzen. Wir lassen unsere Mitmenschen gerne auf „Granit beißen“, zeigen oft einen „versteinerten Gesichtsausdruck“: werden selten „steinreich“ oder „steinalt“. Selbst „hart wie ein Stein“ können wir manchmal sein oder weinen zum „Steinerweichen“. Viele Menschen machen sich auf, den „Stein der Weisen“ zu finden. Wenn einer sie dabei stört, könnte er Gefahr laufen, „gesteinigt“ zu werden. Unzählige solcher Redewendungen ließen sich noch aufzählen, in denen Steine eine Rolle spielen.