Steine der Weisen-von josilver

Steine der Weisen – eine kleine Fabel

Dem Herz,
das ehrlich ist,
öffnen selbst Steine sich.
*

Kein Mensch konnte sagen, seit welcher Zeit diese uralte Eiche dort oben auf dem grünen Hügel vor dem alten Dorf stand. Nur eins wussten alle – es war ein mystischer Baum, versehen mit magischer Energie. Besonders den drei Steinen, die dort in seinem Schatten lagen, sprach man besondere magische Fähigkeiten zu.

Diese drei Steine nannten die Dorfbewohner „Engelstränen“, weil sie nach einem großen Unwetter, während dem ein Blitz in die Eiche schlug, dort plötzlich lagen – so, als wären sie vom Himmel gefallen.

Und das besondere an diesen Steinen war, das auf ihnen seltsame Schriftzeichen zu sehen waren. Und so beschlossen die Dorfbewohner die drei Steine ins Dorf zu holen, um sie auf dem Dorfplatz neben dem Brunnen aufzustellen.

Obwohl die Steine nicht allzu groß waren, war keiner – auch nicht der Dorfschmied – in der Lage, die Steine auch nur ansatzweise anzuheben. Auch ein Versuch die Steine mit einem Ochsengespann zu bewegen scheiterte.

Auch war keiner der Dorfbewohner war in der Lage, diese Schriftzeichen zu lesen oder zu deuten. Sie entschlossen sich, den Dorfschulzen ins fern gelegene Kloster zu schicken um dort bei den gelehrten Mönchen um Hilfe zu bitten. Also machte der Dorfschulze sich mit seinem Ochsenkarren auf den Weg.

Es dauerte mehr als zehn Tage, bis der Dorfschulze mit einem uralten Mönch zurück kam. Mit sich führte dieser ein altes und dickes Buch, in dem wohl die Geheimnisse fremder Sprachen und Schriften beschrieben waren. Der alte Mönch beschäftigte sich tagelang mit den Einschriften der drei Steine, und suchte nach deren Bedeutung.

Und eines Tages war es soweit – er hat die Inschriften entziffern können, und in seinem Buch deren Bedeutung gefunden. Er sammelte alle Dorfbewohner um sich, um ihnen seine Erkenntnisse mitzuteilen. Und so erhob er seine Stimme!

„Es sind die Steine der Weisen, die alle hundert Jahre woanders ihren Platz auf der Welt finden. Die Inschriften bedeuten jeweils: Mut, Harmonie und Freude! Und nur wer reinen Herzens ist, findet unter den dreien den wahren Stein der Weisen, und nur durch die Kraft des reinen Herzens ist dieser Mensch in der Lage, diesen Stein an sich zu nehmen!“

Die Dorfbewohner waren verwirrt und redeten durcheinander, und fragten sich welcher der drei Steine wohl der wahre der Weisen ist. Und während sie so miteinander sprachen und stritten, ging ein kleines Mädchen unbemerkt hin zu den Steinen.

Es schaute sich die Steine an, und nahm einen der dreien ohne große Anstrengung an sich, und kam zur Versammlung der Dorfbewohner zurück. Diese staunten nicht schlecht, und schauten den greisen Mönch fragend an.

Dieser ging hin zu dem kleinen Mädchen, schaute sich den Stein an, hob beide Arme in die Höhe und rief in die Runde:

„Sie hat den Stein des Mutes genommen!“

Und dem Mädchen zugewandt, fragte er: „Nun, meine Kleine – warum hast du gerade diesen Stein genommen – den Stein des Mutes?“

Das kleine Mädchen schaute den Mönch mit ihren großen Augen an, und sagte:

„Weil es der richtige Stein ist! Denn wenn ich Mut habe, dann bin ich stark – und wenn ich stark genug bin, dann kann ich mir Freude und Harmonie selbst geben – und dann bin ich auch stark genug, um sie mit anderen zu teilen!“

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