Steinkohle 5

Mit diesem Beitrag möchte ich mich erst einmal von der Steinkohle, dem schwarzen Gold verabschieden. Da ich kein Wissenschaftler bin, sondern ein Stein Ver-Rückter, gehört die Steinkohle für mich zu den Gesteinen und  hat deshalb hier seinen Platz. Man soll nicht alles so eng sehen. Gesteine können auf so unterschiedliche Art und Weise entstehen. Steinkohle hat nun mal einen anderen Ursprung. Doch wenn ich sie in meinen Händen halte, ist das für mich ein Energiestein.
Wie gesagt bin ich mit ihr aufgewachsen. Habe mit ihr lange gelebt. Jahrelang, bis zum Simmbruch, habe ich als Knabe in einem Chor gesungen und da gehörte natürlich das Lied der Bergleute zu unseren Liedern.Gestern habe ich den Text von diesem Lied von meinem Steinfreund Stanislaus zugeschickt bekommen.
Stanislaus Klemm hat nun auch die letzten Worte zu diesem Thema. Danke für deine Worte, Gedanken und Beiträge. Ich hoffe du schreibst noch einmal ein Buch zu und über Steine. Deine Betrachtungsweisen sind einfach eine Bereicherung für Alle.

Glück auf! Glück auf! Der Steiger kommt!
Und er hat sein helles Licht bei der Nacht
und er hat sein helles Licht bei der Nacht
schon angezündt.

Schon angezünd´t, das wirft seinen Schein
Und damit nun fahren wir bei der Nacht
ins Bergwerk ein

Die Bergleut sein so hübsch und fein
(ins Bergwerk ´nein wo die Bergleut sein)
Und sie graben das Silber und das Gold bei der Nacht
aus Felsenstein

Der eine gräbt Silber, der andere Gold
und dem schwarzbraunen Mägdelein bei der Nacht
dem sein sie hold.

Ade, nun ade, lieb‘ Schätzelein!
und da drunten in dem tiefen Schacht bei der Nacht
Da denk‘ ich dein.

Und kehr ich heim zum Schätzelein (zum Liebchen heim)
So erschallt des Bergmanns Ruf bei der Nacht
Glück auf! Glück auf!

Die schwarze, etwas bröselige, spröde Kohle und der glitzernd helle, „eiserne“ Diamant sind wahrhaftig gewaltige Gegensätze, und doch sind sie aus einem einzigen Stoff: Kohlenstoff. Ein faszinierender Zusammenhang. Ich muss dabei immer an den „Gegensatz“ Körper und Geist denken, die doch beide ein „Stoff“ bilden, den Menschen.

Mein alter Philosophielehrer hat es einmal so formuliert: „Der Mensch ist Stoff-gebundener Geist und Geist-begabter Stoff.“ Zwei ganz unterschiedliche Realitäten sind dennoch vereint in einem auf einander bezogenen Wirken. Ähnliche Gedanken kennen wir auch im Gedankengut der Tibeter.

In einer Ansprache zum 40-jährigen Bestehen desTibet-Instituts Rikon  erwähnte ihr Präsident Dr. Rudolf Högger diesen Zusammenhang:

„Das ist zentrales buddhistisches Gedankengut. In ihm werden die materielle und die geistige Sphäre ernst genommen. Beide werden als wesensverwandt und als eng mit einander verflochten verstanden. Gleichzeitig aber werden Körperlichkeit und Geistigkeit radikal unterschieden. Für diese merkwürdig widersprüchliche Beziehung zwischen körperlichem und geistigem Leben haben tibetische Weise schon vor Jahrhunderten ein treffendes Bild gewählt, Es ist die Verwandtschaft, aber auch die Gegensätzlichkeit von Kohle und Diamant. Die tibetischen Alchemisten scheinen geahnt zu haben, was die moderne Chemie erwiesen hat, dass nämlich beide Mineralien, Kohle und Diamant, aus demselben Grundstoff bestehen – aus Kohlenstoff eben, wie wir heute sagen. Das Faszinierende liegt nun darin, dass beide, Kohle wie Diamant, zu hundert Prozent aus reinem Kohlenstoff bestehen. Sie sind sich also in einem Grundaspekt völlig gleich. In anderer Beziehung aber sind sie extrem unterschiedlich. Die Kohle ist sehr weich, der Diamant dagegen der härteste Stoff, den wir überhaupt kennen. Die Ursache für diesen Unterschied liegt nicht im Grundstoff (der ja bei beiden derselbe ist) sondern in der jeweils anderen Anordnung der Kohlestoffatome innerhalb der Kristalle. Als weiches Material ist Kohle leicht zerstörbar, als härtestes Mineral gilt der Diamant im Volksmund auch bei uns als unzerstörbar oder ewig. In der Metapher der tibetischen Weisen steht die Kohle deshalb für das körperliche, der Diamant für das geistige Leben, die Kohle für das vordergründige, auf diese Welt bezogene Bewusstsein, der Diamant jedoch für ein Bewusstsein, das sich an einer geistigen Wirklichkeit orientiert. Beide Wirklichkeiten gehören zusammen, sind – um im Bild zu bleiben – aus demselben Stoff. Aber es ist klar, dass das diamantene Bewusstsein, die diamantene geistige Wirklichkeit, der vordergründig irdischen Wirklichkeit so überlegen ist wie der harte Edelstein der weichen Kohle. Die innere Struktur der Bereiche ist eben völlig verschieden.“

Ich finde, dies sind interessante Gedanken.

Kohle-Licht-Energie-Leidenschaft-Feuer:

„Ja ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr´ ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse,
Kohle alles, was ich lasse:
Flamme bin ich sicherlich!“

Friedrich Nietzsche


3 Antworten zu “Steinkohle 5”

  1. Stanislaus Klemm sagt:

    Lieber Peter,
    danke, dass Du mir „die letzten“ Worte zum Thema „Kohle“ freundlicherweise überlassen hast. Ich würde sie gerne zu den „vor-letzten“ machen und sie einem kleinen Jungen überlassen, der vor langer Zeit im Ruhrgebiet seine ersten Steinerfahrungen machte und der heute zum „Steinverrück(t)er“ wurde. Der kleine Peter kennt vielleicht auch die alte Geschichte, wie man die Steinkohle – die brennenden Steine – zum ersten Mal entdeckte. Vielleicht hat sein Vater ihm diese uralte Sage aus dem Ruhrgebiet einmal erzählt.

    „Ein Junge, der hier einst seine Schweine hütete, sah sich nach einer passenden Stelle um, wo er Feuer machen könnte, und bemerkte, daß ein Mutterschwein (eine „Mutte“) am Fuße eines Baumes ein Loch gewühlt hatte, das ihm als Feuerstelle passend erschien. Er trieb die Sau weg und machte Feuer, das sich merkwürdigerweise lange hielt.
    Selbst am Abend, als er seine Schweine eintrieb, war das Feuer noch nicht erloschen, und am anderen Tage, als er wieder zu der Stelle kam, fand er zu seiner Verwunderung eine große Glut, die sich nicht durch Holz, sondern durch schwarze Erde erhielt.
    Zu Hause erzählte er seinem Vater, wie er im Walde schwarze Steine gefunden hätte, die eine viel größere Glut gaben, als das bloße Holz. Der Vater untersuchte die Sache und begann an dieser Stelle, die nun „Op der Mutte“ genannt wurde, die erste Steinkohle zu fördern.“

    Noch heute gibt es ein „Muttental“ in Witten, südlich von Bochum wo man alte Bergwerksstollen besichtigen kann.

  2. mARTina Jäger sagt:

    danke für die bereichernden worte
    diese inmteressanten dialoge

    für sinn und wege zur kunst…

    ihr zwei !!! (peter und stanislaus)

    lg
    martina

  3. Els van Lierop sagt:

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