Steine – Gesteine

Für die viele Menschen bedeutet Stein – grau, hart, leblos, kalt, starr, finster, schwer, klobig, kantig, unbeweglich, roh, unsensibel. Für viele Zeitgenossen ist der Stein tot. Doch Steine sind für mich vielfältig, farbenprächtig, haben unendlich unterschiedliche Formen, präzise Strukturen und jeder Stein seine eigene Lebensgeschichte. Der Stein lebt. Der Stein verändert sich schneller als wir denken. Natürlich in ganz anderen Zeitspannen. Ihre Zeit ist in Jahrmillionen zu rechnen. Das Reich der Steine gehört zum Prächtigsten und Vielgestaltigsten was unser Kosmos überhaupt zu bieten hat. Der gesamte Planet Erde ist letztlich nichts anderes als ein gigantischer Stein. Wir Menschen, Tiere und Pflanzen sollten ihm dankbar sein, dass er uns die Basis zum Leben schenkt. Nur weil wir Menschen den Maßstab für Zeit und  Raum festgelegt haben, haben wir noch lange nicht das Recht den Stein für tot zu erklären.
Wir haben vergessen, dass Steine die Grundlage jeden Lebens sind. Alles stoffliche, das wir dem Leben zuordnen, war irgendwann mal Stein, Gestein oder Kristall. Jedes Gestein hat seine eigene persönliche Geschichte. Steine sind eben nur anders als wir. Sehr viel langsamer. Ihr Wesen vollzieht sich schweigsam.
Wer teilt eigentlich die Welt in belebt und unbelebt ein. In Gut und Böse. Recht und Unrecht .?

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2 Antworten zu “Steine – Gesteine”

  1. Stanislaus Klemm sagt:

    Lieber Peter,
    du fragst: „Wer teilt eigentlich die Welt in belebt und unbelebt ein.“

    In der Tat, eine berechtigte Frage. In meiner Grundschule („Volksschule“) gehörten Steine wie selbstverständlich in der berühmten Stufenpyramide des Weltalls zum untersten Teil, zur Welt der „unbeseelten Dinge“. Wenn uns Ludwig Uhland in seiner „Schwäbischen Kunde“ den langen Weg Kaiser Rotbarts ins Heilige Land mit wenig Begeisterung beschreibt: „Viel Steine gab’s und wenig Brot“, so trifft dieses Wort ganz genau diese gängige Vorstellung, die wir allgemein von Steinen besitzen: Es sind unfruchtbare, tote, harte, ungenießbare, unbeseelte, trockene und manchmal überflüssige Gegenstände, die einem oft nur den Weg versperren, an denen wir uns den Kopf oder den Fuß stoßen. Eine eigenartige Geringschätzung der Steine, wenn man bedenkt, dass die Wiege der Menschheit in der „Stein-Zeit“ zu suchen ist und der Inbegriff einer geglückten menschlichen Zukunft in jenem Bild zu finden ist, das als „Stein der Weisen“ bezeichnet wird.
    Wie wohltuend liest sich da ein Text von Hermann Löns: „Es gibt nichts Totes auf der Welt, hat alles sein Verstand. Es lebt das öde Felsenriff, es lebt der dürre Sand. Lass deine Augen offen sein, geschlossen deinen Mund, und wand’re still, dann werden dir geheime Dinge kund“
    Oder der berühmte Text des französischen Theologen und Paläontologen Teilhard de Chardin in seiner „Hymne an die Materie“: „Ich segne Dich, Materie, und grüße Dich, nicht so, wie Dich die Hohen Herren der Wissenschaft und die Tugendprediger verkürzt oder entstellt beschreiben – eine Zusammenhäufung, so sagen sie, brutaler Kräfte oder niedriger Neigungen -, sondern so, wie Du mir heute erscheinst, in Deiner Totalität und in Deiner Wahrheit.“ Das sind Gedanken, die sich auch sehr bildlich widerspiegeln in dem schönen indischen wort: „Gott schläft im Stein, atmet in der Pflanze, träumt im Tier und erwacht im Menschen. Diese Weltsicht vermag eine Grundstimmung zu schaffen, die nicht von Distanz und Entfremdung geprägt ist, sondern durch das Gefühl von Einheit, Zusammengehörigkeit und Nähe aller Dinge und Ereignisse. Das Geschöpf ist zwar nicht mit dem Schöpfer identisch, aber wir können doch davon ausgehen, dass in jedem Geschöpf die Spuren des Schöpfers selbst vorhanden und wirksam sind. Eine solche Überlegung legt es nahe, den Steinen nicht grundsätzlich eine „Beseeltheit“ abzusprechen. Auch Steine und Kristalle sind bewundernswerte Geschöpfe Gottes, Zeugnisse seiner unvorstellbaren Kreativität, und in der kleinsten Spur Gottes spiegelt sich auch immer die Tiefe einer Seele.

  2. mARTina Jäger sagt:

    „Wer teilt eigentlich die Welt in belebt und unbelebt ein.“

    Menschen, deren Herz aus Stein ist…..

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